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Videobrillen machen 3D-Filme zum Genuss.

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Samstag, 23. Februar 2013 / 09:33:00

Aufsetzen und abtauchen: Videobrillen für Filme oder Spiele

40, 50 oder über 100 Zoll: Fernseher werden immer grösser. Mächtig Eindruck können aber theoretisch auch zwei Displays schinden, die kaum grösser als eine Briefmarke sind. Voraussetzung ist nur, dass die Bildschirme im Inneren einer Videobrille und damit direkt vor den Augen des Betrachtes sitzen.

Solche Brillen sind zurzeit allerdings noch ziemlich teuer und nach Meinung von Experten oft auch recht unbequem. Die Entwickler arbeiten mit Hochdruck an neuen und besseren Modellen.

Videobrillen machen 3D-Filme zum Gesnuss

Im Gegensatz zum Fernsehen taucht man mit einer Videobrille komplett in die Welt eines Spiels oder eines Films ab. «Die Brillen schotten den Nutzer völlig von seiner Umwelt ab. Sie sind praktisch für unterwegs oder wenn zu Hause viel Trubel herrscht», erklärt Ulrike Kuhlmann von der Computerzeitschrift «c't». Der Ton kommt entweder aus eingebauten oder aus per Klinkenkabel an die Brille angeschlossenen Kopfhörern.

Vor allem 3D-Filme werden so zu einem Genuss: Die Bildqualität der kleinen Displays ist inzwischen oft sehr gut, durch den geringen Abstand zum Betrachter wirken die dreidimensionalen Bilder gross. Der Vorteil der Brillen gegenüber einem 3D-Fernseher: «Das linke Auge sieht nichts vom rechten, womit das sogenannte Ghosting vermieden wird», sagt Kuhlmann. Unter Ghosting verstehen Experte das «Geisterbild», das bei 3D-Fernsehern manchmal versetzt neben dem Hauptbild zu sehen ist.

Auch Computerspieler kommen mit Videobrillen auf ihre Kosten. «Besonders Ego-Shooter werden so sehr interessant», sagt Frederik Eichelbaum, der im Rahmen des Studiengangs Zukunftsforschung an der Freien Universität Berlin seine Masterarbeit unter anderem über Videobrillen geschrieben hat. Bewegt man seinen Kopf, dreht sich bei einigen Brillen-Modellen gleichzeitig auch das Bild im Spiel. So wird bei Flugsimulationen zum Beispiel ein Rundumblick im Cockpit möglich.

Auflösung der Brille sollte mindestens 720p betragen

Bei Filmen ist vor allem eine hohe Auflösung wichtig, meint der Zukunftsforscher. 1280 mal 720 Pixel (720p) sollten es nach Angaben der «c't» für echtes Kinofeeling schon sein. Ausschlaggebend beim Kauf ist ausserdem die Grösse des Sichtfeldes (Field of View), sagt Eichelbaum: «Ich würde sogar sagen, dass dies das markanteste Qualitätsmerkmal ist.» Je kleiner das Sichtfeld, desto mehr störende Schwärze sieht der Nutzer rings um das Bild.

Ohne Kabel funktionieren die Brillen noch nicht. Angeschlossen werden können sie beispielsweise an Notebooks, DVD-Player oder Smartphones, in der Regel über HDMI. «Abgespielt werden können dann alle Formate, die die jeweiligen Geräte wiedergeben können», erklärt «c't»-Redakteurin Ulrike Kuhlmann. Strom kommt entweder aus einem zweiten Kabel oder einem Akku. Unter anderem dadurch sind aktuelle Videobrillen meist noch sehr schwer und relativ unbequem, lange Filme werden so zur Tortur. Ausserdem haben die Technikwunder derzeit noch ihren Preis. «Eine gute Videobrille kostet etwa 600 bis 1000 Euro», sagt Kuhlmann. Wenn in Zukunft tatsächlich noch mehr Modelle von anderen Herstellern auf den Markt kommen, könnten die Preise aber schnell sinken.

Bei langer Anwendung Kopfschmerzen möglich

Da beide Varianten der Brillen ihre Bilder und Videos direkt vor den Augen des Nutzers abspielen, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die Augen Schäden davontragen können. «Auf Dauer ist der Blick durch die Brille sehr anstrengend. Vergleichbar ist das in etwa mit der Arbeit an einem Mikroskop», sagt Augenarzt Prof. Dieter Friedburg. Bei ausgiebiger Nutzung könnten zumindest Kopfschmerzen auftreten. «Die Augen werden aber keinen Dauerschaden davontragen», gibt der Experte Entwarnung.

Für Kinder und Jugendliche sei die Technik aber nicht empfehlenswert. «Die Kurzsichtigkeitsentwicklung könnte durch die Nutzung der Videobrillen verstärkt werden», warnt Friedburg. Detaillierte Studien zur Wirkung von Videobrillen existieren zurzeit allerdings noch nicht.

Augmented-Reality-Anwendungen mit Google Glass

Neben den Videobrillen gibt es auch immer mehr «See-Through»-Brillen für Augmented-Reality-Anwendungen. «Hiermit bleibt der Nutzer zwar in der realen Welt, diese Realität wird jedoch erweitert», erklärt Kuhlmann. Parallel zu dem, was man ohnehin sieht, blendet die Brille Zusatzinformationen ein, zum Beispiel zum aktuellen Aufenthaltsort. Vergleichbar ist das mit Apps wie Layar, Wikitude oder Junaio, die in Zusammenarbeit mit der Kamera eines Smartphones Wissenswertes über Sehenswürdigkeiten anzeigen können. Die Entwicklung solcher Brillen steht aber noch ganz am Anfang.

Mit Spannung erwartet wird deshalb die Datenbrille Glass, an der die Techniker von Google zurzeit arbeiten. Sie soll sehr leicht sein und im Prinzip wie ein Smartphone funktionieren, das durch Sprachkommandos zum Beispiel Fotos oder Videos machen kann. Das klingt praktisch, könnte für Datenschützer aber zum Alptraum werden. «Wenn solch eine Brille kommt, werden wir anfangen, uns gegenseitig viel mehr zu fotografieren», prophezeit Eichelbaum. «Jeder hat Kameras auf der Nase, und keiner weiss, welche gerade an ist.»

Hans-Georg Kluge (Quelle: teltarif.ch)

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