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ManU's Trainer Sir Alex Ferguson (l.) und sein Gegenspieler von Manchester City, Roberto Mancini.

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Billy Wilder Monty Python

 Billy Wilder
 Monty Python



Samstag, 18. August 2012 / 15:47:00

Die Saison nach dem Herzschlag-Finale

Sechs Tage nach dem Ende der goldenen Olympia-Wochen von London geht in Grossbritannien heute die nächste sportliche Party los. In der Premier League sind die Augen aber in erster Linie auf die Stadt Manchester gerichtet.

Das Ende der letzten Meisterschaft wird zumindest punkto Dramaturgie definitiv nicht zu überbieten sein. Manchester United war mit acht Punkten Vorsprung auf Manchester City in die Schlusswochen gestiegen und hatte buchstäblich bis zuletzt wie der sichere Champion ausgesehen. Doch während sich die Supporter der «Red Devils» nach dem 1:0 bei Sunderland schon freudetrunken in den Armen lagen, gab Manchester City gegen Queens Park Rangers nicht auf. Dzekos Ausgleich in der ersten Minute der Nachspielzeit brachte die Hoffnung zurück, und als der Argentinier Sergio Aguero in allerletzter, sprich in der dreiundneunzigsten Minute, den Siegtreffer erzielte, war die nicht mehr für möglich gehaltene Wende aufgrund der Tordifferenz doch noch Tatsache geworden.

Dieses abrupte Wechselspiel aller Fussball-Gefühle aktiv mitzuerleben macht nur dann Spass, wenn man auf der Gewinnerseite steht. Dies gilt unabhängig davon, wer der Gegner ist, aber speziell im Falle eines Scheiterns gegen den Lokal- und Erzrivalen. Noch mehr gilt dies für Sir Alex Ferguson, die Trainerlegende der United. Der 70-jährige Schotte hasst nichts mehr als zu verlieren und war nach dem verpassten 20. Meistertitel für längere Zeit «ungeniessbar».

Seit langem hat sich Ferguson aber wieder gefasst und richtet den Blick nach vorne. Dieser geht nur in eine Richtung, nämlich in jene des Titelgewinns und der Revanche. Untrügliches Zeichen dafür ist die Verpflichtung von Liga-Topskorer Robin van Persie von Arsenal unmittelbar vor Meisterschaftsstart - für die Summe von 29 Millionen Euro. In einem Jahr wäre der Holländer nach dem Auslaufen des Vertrags bei den «Gunners» ablösefrei zu haben gewesen.

Van Persie bringt nicht nur die Visitenkarte von 30 Treffern ins Old Trafford mit, sondern sorgt auch für Luxusprobleme bei Ferguson. Falls Van Persie bereits beim Saisonauftakt bei Everton am Montag dabeisein kann, stellt sich die Frage, wer sein Sturmpartner sein wird. Ferguson muss sich hiefür wohl für einen Spieler aus dem Quartett Wayne Rooney, Danny Welbeck, Javier Hernandez und Dimitar Berbatov entscheiden. Denkbar ist auch, dass Rooney wie in der letzten Saison wiederholt ins Mittelfeld ausweicht.

Fussball-Liebhaber ohne klare Klubpräferenz taten in der vergangenen Saison gut daran, sich Saisonkarten für beide Teams in der Stadt im Nordwesten des Landes zu sichern. Die beiden Equipen brachten es zusammen auf 182 Treffer - ligaweit war die offensive Durchschlagskraft nirgendwo auch nur ansatzweise so gross. Heuer dürfte sich dies kaum ändern: Man United verfügt auch aus dem Mittelfeld mit den unverwüstlichen Ryan Giggs und Paul Scholes, mit Nani, Michael Carrick und der Neuverpflichtung aus Dortmund, dem Japaner Shinji Kagawa, über viel Drang nach vorne.

Der letztjährige Meistertrainer Roberto Mancini kann sich auch nicht über mangelnde Offensivstärke beklagen, muss aber «Wahnsinnspotenzial» der anderen Art bändigen. Italiens EM-Halbfinal-Held, der exzentrische Mario Balotelli, möchte auch auf Klubebene Höchstleistungen bringen, neigt aber ebenso zu Aussetzern auf und neben dem Rasen wie Carlos Tevez. Viel erwartet wird erneut von Kun Aguero.

Di Matteo und Torres unter Druck

Nur die Rolle der ersten Herausforderer bleibt den Londoner Klubs. Chelsea versucht, nach dem Double der Vorsaison (Champions League und FA-Cup) nun auch in der Meisterschaft Fuss zu fassen. Platz 6 aus dem Vorjahr ist diesmal keine Option mehr, zumal mit den offensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern Oscar, Eden Hazard und Marko Marin drei neue Kräfte verpflichtet worden sind. Unter Druck steht Fernando Torres, der sich nach dem Abgang von Didier Drogba als Nummer 1 im Sturm beweisen muss.

Mit Argusaugen beobachtet wird auch die erste «richtige» Saison von Roberto di Matteo als Chefcoach. Der ehemalige Super-League-Spieler erhielt von Roman Abramowitsch nach dem höchst erfolgreichen Saisonfinale zwar einen Kontrakt - auch, weil sich die Spieler für ihn einsetzten. Der Russe ist aber nicht für Geduld bekannt. Zudem ist es ein offenes Geheimnis, dass Abramowitsch nach wie vor mit einem Engagement von Pep Guardiola nach dem Ende dessen freiwilliger Auszeit liebäugelt.

Di Matteos Vorgänger an der Stamford Bridge wirkt neu ein paar Kilometer weiter nordöstlich an der White Hart Lane . Der «Baby-Mourinho» André Villas-Boas muss bei Tottenham aber einen ordentlichen Aderlass verkraften. Mit Niko Kranjcar, Vedran Corluka und Steven Pienaar haben einige Schlüsselspieler den Klub verlassen, der im letzten Jahr noch unter Harry Redknapp mit attraktivem Spiel (vor allem über die Flügel) auf Platz 4 gestürmt war. Zudem manifestiert Diva Luka Modric seit Monaten Abwanderungsgelüste Richtung Real Madrid.

Arsenal geniesst nach dem Abgang von Van Persie gar keinen Kredit mehr, die Durststrecke von sieben titellosen Jahren zu beenden. Auch Arsène Wenger, seit 16 Jahren im Amt und zuletzt als Fernseh-Analyst erfolgreicher denn als Coach, steht vermehrt im Zentrum der Kritik. Immerhin steht bei den «Gunners» mit Johan Djourou jener Schweizer im Kader, der die tragendste Rolle spielen dürfte. Philippe Senderos und Pajtim Kasami streben mit Fulham erneut einen Europa-League-Platz ein. Für Nachwuchsgoalie Raphael Spiegel (ehemals GC) wäre jeder Einsatz im Fanionteam von Aufsteiger West Ham United ein Erfolg.

bert (Quelle: Si)

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